«Ich toleriere keine Bürokraten, die meine Ärztin bevormunden wollen.»
«Ich will selber entscheiden, welche Behandlung für meine Patienten richtig ist.»
«Ich erwarte, dass mich mein Arzt nicht nach der Stoppuhr behandelt.»
«Ich will die Zeit für meine Patienten nicht rationieren müssen.»
«Ich will von meinem Arzt nicht als Kostenfaktor betrachtet werden.»
«Ich wehre mich, meine Patienten als Kostenfaktoren zu behandeln.»
«Es ist eine Anmassung, wenn staatliche Stellen meinem Arzt die Behandlung vorschreiben.»
«Staatliche Vorschriften und Verordnungen verzögern und verteuern jede ärztliche Therapie.»
«Immer mehr Zeit für Bürokratie aufwenden zu müssen statt für uns Patienten, finde ich skandalös.»
«Ich finde es grundfalsch, dass ich wegen der Bürokratie immer weniger Zeit für meine Patienten habe.»
«Ich will sicher sein, dass mein Arzt mich ganz individuell behandeln kann.»
«Ich muss sicher sein, dass ich jeden Patienten individuell behandeln darf.»
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Ärzte und Patienten – miteinander, füreinander.

In immer kürzeren Abständen präsentieren Politiker und Ökonomen Vorschläge, um den Kostenanstieg im Gesundheitswesen zu dämpfen. Wir Ärzte sind uns bewusst, dass die wachsenden Ausgaben sowohl die privaten Haushalte als auch die Budgets der Kantone belasten. Doch wir akzeptieren keine Sparübungen auf Kosten der Patienten und der Behandlungsqualität! Massnahmen, welche Leistungen rationieren und Ausgaben deckeln wollen, sind abzulehnen. Die Folge wäre eine Zwei-Klassen-Medizin, die gerade einkommensschwächere Haushalte unter zusätzlichen Druck setzen würde.

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Sparen drückt Leistung

Der Bundesrat plant die Einführung von Globalbudgets für ärztliche Leistungen im ambulanten Bereich. Das bedeutet, dass ein Arzt, eine Ärztin nur so viele Leistungen verschreiben darf, wie das Budget erlaubt. In Deutschland hat man bereits Erfahrung mit diesem Modell. Die Folgen: Ein Arzt, muss genau rechnen, welche Leistungen er verordnet und wie viele Patienten er sich leisten kann. Ist das Budget ausgeschöpft, werden Behandlungen nicht mehr vergütet. Er muss seine Patienten abweisen oder die Behandlung aus eigener Tasche bezahlen.

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Versorgung geht vor

Ohne irgendeine Form der Mengensteuerung sind die steigenden Kosten im Gesundheitssystem wohl schwer in den Griff zu bekommen. Aber der Vorschlag, im Gesundheitssystem Globalbudgets einzuführen, führt zu rechtlichen, sozialen und ökonomischen Unsicherheiten und ist deshalb ein schlechter Reformvorschlag. Ein Globalbudget schadet dem Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten. Erfahrungen aus Deutschland und Italien belegen, dass sich Patienten bei gedeckelten Budgets schnell der Willkür ausgesetzt fühlen. Indikationen werden aus Budgetgründen gemacht. Die Patienten merken, dass der Arzt bei der Behandlung durch die ökonomische Brille blickt – viel mehr, als dies heute schon der Fall ist. Böse Zungen sagen sogar: «Das Globalbudget führt dazu, dass derjenige wirtschaftlich ist, der es schafft, sich von der Versorgung kranker Menschen fernzuhalten.» Die Erkenntnisse von Experten, welche mit solchen Systemen gearbeitet haben, deuten darauf hin, dass die Effekte des Globalbudgets auf die Gesamtkostenentwicklung nicht belegt sind.

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Autonomie auf dem Prüfstand

Erfahrungen mit Globalbudgets zeigen: Behandlungsentscheide der Ärzte werden von Krankenversicherungen fortwährend in Frage gestellt. Damit wird die Therapiefreiheit beschnitten. Es ist nicht mehr die Ärztin und ihre Patientin, die über die Therapie entscheiden, sondern die Krankenversicherer.

Die Folgen eines staatlichen Gesundheitssystem lassen sich in Grossbritannien beobachten: Überfüllte Betten, frustriertes Personal, verzweifelte Patienten. Der britische Gesundheitsdienst NHS befindet sich in einem desolaten Zustand. Während die Gesundheitsausgaben in der Schweiz durch Grundversicherung, Selbstzahlungen der privaten Haushalte und Staat getragen werden, erhält der NHS sein Budget aus Steuern. Als integraler Bestandteil des Staatshaushaltes liegt die Finanzierung des NHS im Ermessen der Politik. Und die Politik hat dem NHS in den letzten Jahren Sparkuren und einen weitreichenden Reformkurs hin zu mehr Wettbewerb auferlegt. Man hoffte, dass mehr Wahlfreiheit und mehr Wettbewerb für eine bessere Versorgungsqualität und kürzere Wartezeiten sorgen würden. Diese Hoffnungen bewahrheiteten sich nicht. Die jüngsten Entwicklungen zeigen: Chronisch Kranke, Alte, Arme und Hilflose warten heute monatelang auf Termine. Ihre Ausgaben für Sozialbetreuung und Pflege wurden gesenkt, Pflegestationen, Seniorenheime und Sozialstationen geschlossen.

Die Ereignisse in Grossbritannien zeigen: Globale Budgetplanung, fixe Kostenbremsen, verbindliche Zielvorgaben orientieren sich nicht am medizinischen Behandlungsbedarf. Sie schaden nicht nur dem Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten, sondern können für beide auch drastische Folgen haben.

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Mehr Diktat, weniger Qualität

Der Staat will künftig festlegen, wie hoch die Gesundheitskosten im Folgejahr sein dürfen. Die Politik soll also gemeinsam mit der Verwaltung den Bedarf an medizinischern Leistungen bestimmen und nicht mehr die Ärztin und ihre Patientin. Werden nun aber die Kosten begrenzt, hat das Konsequenzen für die Patienten. Sie dürfen nicht mehr davon ausgehen, dass Pflichtleistungen auch bezahlt werden. Kann oder will der Patient nicht auf die Leistung verzichten, muss entweder der Arzt die Leistung gratis erbringen oder der Patient kommt selber für die Kosten auf. Die Erfahrungen aus Deutschland zeigen: Patienten warten wochenlang auf einen Termin, weil ihr Arzt das Budget für Kassenleistungen schon aufgebraucht hat.

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Zwei-Klassen-Medizin

Praxen in Deutschland erhalten bis zu 20% ihrer Leistungen nicht bezahlt. Kostensteuerungen im ambulanten Bereich führen zu einer Zwei-Klassen-Medizin. Wartefristen für Termine nehmen bei den Patienten mit Allgemeinversicherung zu. Nur wer privat bezahlt oder privat versichert ist, hat einen privilegierten Zugang.

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Bürokratie statt Therapie

Es kommt immer wieder vor, dass Ärztinnen und Ärzte von Krankenversicherern zu Unrecht beschuldigt werden, «unwirtschaftlich» zu arbeiten. Dann wird ein so genanntes Wirtschaftlichkeitsverfahren eröffnet – mit ruinösen Folgen für die beschuldigten Ärzte. Diese sehen sich mit Rückforderungen der Krankenversicherer in Millionenhöhe konfrontiert. Doch sind es gerade Ärztinnen und Ärzte mit vielen chronisch kranken Patienten, die «statistisch auffällig» werden. Das ist nachvollziehbar, denn die Behandlung solcher Patienten führt automatisch zu höheren Kosten in einer Praxis. Obwohl sie korrekt abrechnen, werden diese Ärztinnen und Ärzte von den Versicherern der unwirtschaftlichen Arbeitsweise bezichtigt.  Die Folgen: Ein riesiger bürokratischer Aufwand, um die Wirtschaftlichkeit, die Zweckmässigkeit und die Wirksamkeit der Behandlungen zu rechtfertigen.

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Die Zahlen

68%

der Frauen leben heute auch noch fünf Jahre nach einer Krebsdiagnose. Vor 20 Jahren waren es im Durchschnitt nur 62%.

65%

der Männer leben heute auch noch fünf Jahre nach einer Krebsdiagnose. Vor 20 Jahren waren es im Durchschnitt nur 56%.

27%

beträgt die Abnahme der Sterbefälle bei den Frauen mit Krebsdiagnose von 1983 bis 2012.

36%

beträgt die Abnahme der Sterbefälle bei den Männern mit Krebsdiagnose von 1983 bis 2012.

Fortschritt dank Investition

Vielen Menschen ist der Nutzen der Gesundheitsversorgung weniger bewusst als die Kosten. Aber wir sollten nicht über die hohen Kosten des Gesundheitswesens sprechen, ohne den hohen Nutzen zu berücksichtigen: Seit der Einführung der obligatorischen Krankenversicherung im Jahr 1996 reduzierte sich die Zahl verlorener potentieller Lebensjahre um 40%. Diese zusätzlichen Lebensjahre verdanken wir nicht zuletzt dem medizinischen Fortschritt. Das zeigt sich markant an der tieferen Sterblichkeitsrate bei Krebserkrankungen: Insbesondere bei Kindern haben sich die Heilungschancen markant verbessert. Hier liegt die 5-Jahres-Überlebensrate mittlerweile bei 85%. Die Schweiz gehört damit zu den Ländern mit den besten Behandlungsergebnissen bei Kindern mit einer Krebserkrankung.

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Mehr Lebenszeit

Der Nutzen einer qualitativ hochstehenden Gesundheitsversorgung: Gewinn an Lebenszeit, höhere Lebensqualität, mehr Teilhabe an der Gesellschaft, Vermeidung oder Verkürzung von Erwerbsunterbrüchen. Der Nutzen kommt der gesamten Bevölkerung zugute.

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Um 72%

sind die gesamten Gesundheitskosten seit 1996 angestiegen, während die durchschnittliche Krankenkassenprämie in dieser Zeit um 107% anstieg.

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Um 40%

reduzierte sich die Zahl verlorener potentieller Lebensjahre seit der Einführung der obligatorischen Krankenversicherung im Jahr 1996.

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83 Jahre

beträgt die Lebenserwartung der Schweizerinnen und Schweizer bei Geburt. Das ist der zweithöchste Wert hinter Japan. Das zeigt: die Schweizer sind gesünder als die Bewohner der meisten anderen Industrienationen.

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4,7 Jahre

länger lebten die Schweizer Männer im Jahr 2015 gegenüber 1996.

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2,9 Jahre

länger lebten die Schweizer Frauen im Jahr 2015 gegenüber 1996.

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Zur Kampagne

Für mehr Effizienz in unserem Gesundheitswesen

Seit dem 4. März 2019 erscheint in vielen Personenwagen der BLS und in Printmedien eine Kampagne der Aerztegesellschaft des Kantons Bern. Sie bezweckt die Bestärkung des Vertrauens und des Ansehens der Aerztegesellschaft und ihrer Mitglieder in Bevölkerung und Politik. Sie soll das Verständnis für die Anliegen der Ärztinnen und Ärzte durch eine Verkoppelung ihrer Anliegen mit jenen der Patientinnen und Patienten steigern.

In Form eines fiktiven Dialogs lassen wir die Patienten ultimativ sagen, was sie von den Ärzten erwarten. Und wir sagen ebenso klar und deutlich, was wir von der Politik erwarten, um unsere Aufgabe zum Wohl der Patienten und des gesamten Gesundheitswesens der Schweiz optimal  erfüllen zu können.

Weitere Informationen und Kampagnenmaterial sind beim Sekretariat der Aerztegesellschaft des Kantons Bern erhältlich.

Aerztegesellschaft des Kantons Bern